16. Kraichtaler Kolloquium
Tagung zum Thema „Zwischen Speyer, Worms und Wimpfen. Der Kraichgau im Mittelalter“ vom 24. bis 26. April 2026 in Kraichtal-Unteröwisheim
Obgleich außerhalb beziehungsweise randlich gelegen, sind Speyer, Worms und Wimpfen für die mittelalterliche Geschichte des Kraichgaus von allergrößter Bedeutung. Von den alten Bischofssitzen in Speyer und Worms aus erfolgte während des frühen Mittelalters die kirchliche Erschließung der Landschaften zwischen dem Schwarzwald im Süden und dem Odenwald im Norden, und daraus entwickelte sich die hier bis an die Schwelle der Gegenwart bestehende Pfarreiorganisation. Bis zum Ende des Alten Reiches in napoleonischer Zeit waren die Bischöfe von Speyer und Worms hierzuland nicht nur geistliche Oberhirten, sondern verschiedentlich auch Orts- und Landesherren.
In der einstigen Römerstadt zu Wimpfen im Tal hatte sich bei einer von den Römern hinterlassenen festen Neckarbrücke bereits im früheren Mittelalter eine geistliche Gemeinschaft angesiedelt, die im Auftrag der Bischöfe von Worms die kirchliche Raumerschließung auch im Gebiet rechts des Neckars besorgte und sich im 10. Jahrhundert zu einem in der Folge bedeutenden Kollegiatstift entwickelte. Die Gunst der Verkehrslage nutzten seit dem 12. Jahrhundert schließlich auch die Staufer, indem sie auf dem Berg über dem Neckar eine Königspfalz gründeten und von dort ihr Haus- und Reichsgut im weiten Umkreis verwalten ließen.
Zur Komplexität der älteren Herrschaftsverhältnisse im Kraichgau trugen darüber hinaus eingesessene und benachbarte Grafengeschlechter bei. Und als nach dem Ende der Staufer deren Reichsgut in Auflösung geriet, profitierten davon nicht zuletzt zahlreiche Reichsministerialen, die zuvor am Königshof in Wimpfen zugange waren und sich nun zwischen dem Neckar im Osten und Norden, der Bergstraße im Westen und dem Heuchelberg im Süden als weitgehend autonome Ritterschaft etablieren und seit dem 16. Jahrhundert als freie Reichsritterschaft organisieren konnten.
Aus all dem erwuchs seit dem Mittelalter die überaus vielfältige und faszinierende Kraichgauer Kulturlandschaft. Das 16. Kraichtaler Kolloquium hat sich vorgenommen, den verschiedenen Wurzeln, Bedingungen und Aspekten dieser historischen Entwicklung im Einzelnen nachzuspüren und damit zu einem besseren Verständnis der älteren Kraichgauer Geschichte beizutragen.
Die Referenten der Tagung sind durchweg namhafte Historiker. Sie kommen von angesehenen deutschen Universitäten und Forschungsinstituten, von Kiel über Leipzig, Würzburg, Darmstadt und Freiburg im Breisgau bis nach München. Ihre Bereitschaft zur Mitwirkung zeugt vom großen Ansehen, das die seit 1996 veranstalteten Kraichtaler Kolloquien weit überregional genießen. Der Teilnehmerkreis dieser Kolloquien, die bislang im malerischen Städtchen Gochsheim, nunmehr in Unteröwisheim stattfinden, umfasst im übrigen sowohl akademisches Fach- als auch sehr willkommenes interessiertes Laienpublikum von nah und fern.
Die Erträge der Tagungen werden in der Reihe ‚Kraichtaler Kolloquien‘ publiziert. Vierzehn Bände liegen bereits vor: Adlige Damenstifte (1, 1998), Frühes Schulwesen (2, 2000), Rittersitze (3, 2002), Geistliche Staaten (4, 2004), Grafen und Herren (5, 2006), Der Kraichgau (6, 2008), Freiheit und Unfreiheit (7, 2010), Dorf und Gemeinde (8, 2012), Neipperg (9, 2014), Zins und Gült (10, 2016), Weg und Steg (11, 2018), Wasser (12, 2020, Gemmingen (13, 2022) sowie Bauernkrieg (14, 2024; 2. Aufl. 2025). Der 15. Band mit dem Titel ,Kleine Städte. Gemeinden der Vormoderne zwischen Anspruch und Wirklichkeit‘ (Thorbecke Verlag, Ostfildern, 2026) wird im Rahmen der Tagung am Abend des 24. April 2026 in Unteröwisheim vorgestellt.
Weitere Auskünfte erhalten Sie unter Tel. Telefonnummer: 07250 7744 (Frau Krüger, Stadtverwaltung Kraichtal). Sollten wir Ihr Interesse geweckt haben, können Sie sich gern bis Dienstag, 7. April, zur Tagung unter der vorgenannten Telefonnummer anmelden. Die Tagung wird getragen und ermöglicht durch Geld- und Sachspenden: der Stadt Kraichtal, des Kraichgauer Adeligen Damenstifts, des Heimatvereins Kraichgau e. V., des Heimat- und Museumsvereins Kraichtal e. V., der Sparkasse Kraichgau sowie des Weinguts des Grafen Neipperg in Schwaigern. Die Stadt Kraichtal und Prof. Dr. Kurt Andermann, langjähriger Organisator der Kolloquien, bedanken sich sehr herzlich bei allen Förderern.
Zum Programmflyer (PDF-Dokument, 1,23 MB, 07.04.2026)
Diese Veranstaltung ist bereits vollständig ausgebucht. Vielen Dank für das große Interesse!







