150 Jahre goldbraune Glücksmomente
Bäckerdynastie trifft Backtstubenlegende - Warmes Brot aus dem Gochsheimer Gemeindebackofen
Es ist ein magischer Moment, ja ein wundervoller Moment: Die alte, gusseiserne Tür des 150 Jahre alten Backofens schwingt quietschend in ihren Angeln beiseite, der warme Schein der roten Glut erhellt das Gesicht von Bäckermeister Carsten Föckler. Gebückt, aber hochkonzentriert fährt er den Schieber in das warme Herz des Ofens und fördert sogleich goldbraune, bauchige Brotlaibe zutage. Es gibt wohl niemanden in der Stadt, der für dieses alljährliche Ritual besser geeignet wäre. Die Bäckerei Föckler gibt es bereits seit 1835! In der 8. Generation backen die Föcklers seit 190 Jahren jeden Tag Brote und Brötchen – zwischenzeitlich auch Carstens Sohn Niklas, der in diesem Jahr das erste Mal am Gochsheimer Gemeindebackofen steht.
Ein Stück lebendige Geschichte
Auch das vor zehn Jahren kernsanierte alte Schmuckstück im Badischen Bäckereimuseum hat schon etliche Jahre auf dem Buckel. Es wurde etwa 1880 gebaut, um den Menschen in Gochsheim die Möglichkeit zu geben, unkompliziert an frisch gebackenes Brot zu kommen. Sie mussten lediglich ihren Teig zum dort diensthabenden Bäcker bringen, der diesen anschließend zu fertigen Brotlaiben backte. Es ist ein Ritual, das auch heute noch bei der Bäckerei Föckler gepflegt wird, deren Backstube seit jeher nur einen Steinwurf entfernt den Gassbuckel hinauf zu finden ist. Traditionell wird dort heute noch einmal wöchentlich das eigene Brot der Kunden gebacken, dessen Teig diese vorher in der Backstube abgeliefert haben. Ein Symbol – das ist klar –, aber ein schönes.
Ein Fest für die Sinne
Gochsheim jedenfalls hält seinem alten Ofen die Treue. Beim Familienbacktag im Herbst, zuletzt ausgetragen an diesem letzten Septemberwochenende, können Besucher den alten „Hitzkopf“ noch einmal in Aktion erleben. Ganz gemächlich über den Tag verteilt holen Carsten Föckler und Niklas ein Brot nach dem anderen aus seinem glühenden Inneren – darüber hinaus auch deftigen Mohnkuchen mit Speck und in diesem Jahr ganz neu: das Gochsheimer Baguette.
Doch bevor es so weit ist, gilt es, eine Menge Arbeit zu verrichten. Fast eine Woche lang muss der alte Ofen langsam auf Temperatur gebracht werden; ein zu schnelles Anfeuern würde ihm beträchtlichen Schaden zufügen. Eine Woche lang muss demnach immer wieder Holz nachgelegt und auf das gute Stück Acht gegeben werden. All das und noch viel mehr leisten die engagierten Gochsheimer Back-Helden Alfred Weber, Simone Dutzi und Thomas Dutzi.
Gemeinschaft und Genuss
Sie setzen sich dafür ein, dass diese uralte Gochsheimer Tradition am Leben erhalten bleibt – und die „Gochze“ dankt es ihnen. Jedes Mal wird aus dem Backtag ein kleines Volksfest: mit frischen Würsten vom Grill, etwas Bier und natürlich den feinen Backwaren aus dem alten Backofen. In Schlangen stehen die Menschen dann an, um eines der warmen, wunderbar krossen und rustikalen Brotlaibe habhaft zu werden. Man darf davon ausgehen, dass es an diesem besonderen Tag in Gochsheim und darüber hinaus kein warmes Abendessen gibt, sondern dass einfach nur rustikal gevespert wird. Denn mit etwas Butter und Salz schmeckt das Brot aus Gochsheim immer noch am besten – mehr braucht es nicht.









