Stadt Kraichtal (Druckversion)

30 Jahre Kraichtaler Kirchenmusiktage

Musikalische Geburtstagsfeier vom 18. bis 26. Mai
In diesem Jahr dürfen die Kraichtaler Kirchenmusiktage auf ihr 30-jähriges Bestehen zurückblicken. Die evangelischen Kirchengemeinden und die Stadt Kraichtal als Veranstalter sowie die Organisatoren sehen darin einen Grund zum Feiern: Seit 30 Jahren bereichert dieses Festival das kirchliche und kulturelle Angebot mit vielen herausragenden Konzerten und Gottesdiensten in ganz Kraichtal. Für dieses Jahr wurde wieder ein spannendes und abwechslungsreiches Programm zusammengestellt.
Gestartet wird mit einem besonderen Chorkonzert am Samstag, 18. Mai, 20 Uhr, in der evangelischen Kirche Unteröwisheim. Die Heidelberger Studentenkantorei unter der Leitung von Christoph Andreas Schäfer singt unter dem Motto „Herr bleibe bei uns“ bedeutende A capella Chorwerke u. a. von Bach und Schütz, im Wechsel mit instrumentalen Improvisationen in der aparten Kombination von Saxophon (Knut Rössler) und Laute (Johannes Vogt).
Das Trio-Konzert am Samstag, 25. Mai, 19:30 Uhr, in der evangelischen Kirche Oberöwisheim widmet sich ganz der Förderung von Nachwuchskünstlern. Die drei jungen Musikerinnen und Musiker (Kathrin Eberitzsch - Violine, Jasmin Blomenkamp - Cello, Leon Tscholl - Orgel) kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit am Karlsruher Helmholtz-Gymnasium und haben schon erstaunliche Erfolge auf ihren Instrumenten vorzuweisen. Neben Werken von Vivaldi und Bach erklingen auch eigens für diese Besetzung entstandene Kompositionen aus der Feder des Organisten Leon Tscholl.
Der abschließende Sonntag, 26. Mai, steht dann komplett im Zeichen der Blechbläser. Morgens um 10 Uhr wird ein festlicher Bläsergottesdienst in der evangelischen Kirche Gochsheim gefeiert. Diesen wird Pfarrer Ulrich Thümmel gemeinsam mit dem Bezirksbläserchor Bretten und den Kraichtaler Posaunenchören unter der Leitung von Matthias Gromer gestalten. Im Anschluss an den Gottesdienst spielt beim traditionellen „Kleinen Konzert“ der Musik- und Kunstschule Kraichtal ein Querflötenensemble unter Leitung von Martina Zoz.
Zum Abschluss feiern die Veranstalter gemeinsam mit ihrem Publikum ein großes Open Air-Fest. Für den passenden musikalischen Rahmen auf dem Münzesheimer Kirchplatz wird ab 17 Uhr das bestens bekannte Mannheim Brass Quintett sorgen. Das Quintett hat sich für diesen besonderen Anlass fünf Freunde eingeladen, um gemeinsam in großer zehnstimmiger Blechbläserbesetzung dem Publikum einen glanzvollen Abschluss zu bereiten.
Das hochkarätige Ensemble „Mannheim Brass & Friends“ ist mit Spitzenmusikern besetzt, die Positionen als Professoren an deutschen Musikhochschulen innehaben sowie als Solobläser in den Orchestern der Opernhäuser in Mannheim, Stuttgart, Karlsruhe und Ulm wirken. Erklingen werden Werke vom Barock bis zu A. Piazzolla oder E. Crespo. Bei schlechtem Wetter findet dieses Konzert in der Martinskirche statt. Für das leibliche Wohl ist beim anschließenden Ausklang auf dem Kirchplatz gesorgt.
Die vielen treuen Stammbesucher sind ebenso wie neue Freunde der Kirchenmusik zu diesen Konzerten und dem Gottesdienst sehr herzlich eingeladen.

Eröffnungskonzert in Unteröwisheim

Wirklich schon 30 Jahre ist es her, das der damalige Bezirkskantor der Bezirkskantorei Bretten-Bruchsal, Ernst Daubenberger, und Lothar Gabriel aus Münzesheim die Kraichtaler Kirchenmusiktage ins Leben gerufen haben. Seitdem ist viel Zeit vergangen, in den ersten Jahren gestalteten die beiden aktiv das Programm, danach wechselten bis zum heutigen Tage mehrfach die Verantwortlichen, aber es blieb immer eine positive musikalische Kontinuität. Und wer hätte damals wirklich schon daran gedacht, dass man im Jahre 2019 dieses wunderbare kleine Jubiläum feiern könnte? Zum Eröffnungskonzert des diesjährigen Programmes war auch Mitinitiator Lothar Gabriel wieder in der evang.  Kirche in Unteröwisheim zu Gast und konnte gemeinsam mit vielen anderem interessierten Kirchenmusikbegeisterten ein phasenweise echtes musikalisches „Fest“ feiern. Die Heidelberger Studentenkantorei, die schon einmal vor Jahren die Kirchenmusiktage mit ihrem Beitrag begeisterte, war kurzfristig für ein aus gesundheit-lichen Gründen abgesprungenes Ensemble selbstverständlich gerne vor Ort, um die Durchführung des Eröffnungskonzertes möglich zu machen. Und das, was die 21 Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Christoph Andreas Schäfer und Jan Wilke boten,  war wirklich vom Feinsten. Begleitet durch ein exzellentes Instrumentalensemble mit Knut Rössler am Sopransaxophon, Johannes Vogt an der Theorbe, einer tiefen Laute mit zwei Hälsen sowie Christoph Habicht am Violoncello und Christian dell Andrea am 5-saiten Kontrabass präsentierten sie ein vielseitiges Programm, das Werke vom deutschen Spätrenaissance Komponisten  Michael Praetorius über Bach und Joseph Gabriel Rheinberger bis hin zum zeitgenössischen finnischen Komponisten Arvo Pärt umfasste. Dabei waren besonders beeindruckend die Renaissance Kompositionen wie „Auf mein Herz mit Freude“ von Johann Crüger sowie Praetorius´ „Wir wollen alle fröhlich sein“. Auch Johann Sebastian Bach´s vierstimmiger Satz von „Jesus unser Trost und Leben“, bot einen Bach, wie er in bester Interpretation sein sollte, voll exakter rhythmischer Präzision, sauberster Stimmführung und strahlender Freude im Ausdruck. Eingeschoben in diese Chorvorträge waren Einschübe für Sopransaxophon und Theorbe, Jazz-Improvisation aus Monterverdis Oper „L´Orfeo“, wunderbar dargeboten mit der melodischen und rhythmischen Brillanz dieser speziellen Laute und einer fantastischen Melodieführung und originellen Improvisationen des Saxophons. Ergänzt wurden die Instrumentalpassagen durch die Suite Nr. 3 für Violoncello Solo von Bach und einer Adaption für Cello und Kontrabass der Kantate Nr. 88 desselben Komponisten.  Zum Ausklang des schönen Konzertes gab es das „Abendlied“  op. 69.3 des spätromantischen Liechtensteiner Komponisten Joseph Gabriel Rheinberger. Die Konzertreihe wurde in verschiedenen Kraichtaler Stadtteilen fortgesetzt. (Thomas von Haefen)

Junges Ensemble begeistert mit furiosem Kammermusikabend

Ein Triokonzert für Violine, Violoncello und Orgel? Eine selten zu hörende Besetzung und ein überraschendes Programmkonzept, zu dem sich die drei jungen Solisten Leon Tscholl, Orgel (24), Kathrin Eberitzsch, Violine (23) und Jasmin Blomenkamp, Violoncello (19) zusammenfanden, alle drei ehemalige SchülerInnen des Helmholtzgymnasiums Karlsruhe, die festliche Musik barocker Meister von Vivaldi, Bach, Händel mit unterschiedlichsten Solo-, Duo- und Triobesetzungen interpretierten.
Der Konzertreigen begann mit dem Violinenkonzert d-Moll von Antonio Vivaldi, ein fulminanter Auftakt voll konzertanter Spielfreude, barocker Virtuosität und großem bisweilen orchestralen Sound. Leon Tscholl entlockte der Orgel durch seine differenzierte Artikulation bisweilen klavierähnliche Klänge voll kammermusikalischer Transparenz. Das junge Ensemble glänzte durch hohe expressive Sensibilität und einebeeindruckende musikalische Reife.
Es folgte die a-moll Sonate für Cello und Orgel von Antonio Vivaldi. Jasmin Bloomenkamp wusste den Cellopart dynamisch fein zu differenzieren und intonationssicher wie auch mit melodisch stimmiger Phrasierung einen weiten musikalischen Bogen über alle vier Sätze zu spannen. Einfühlsam begleitete Leon Tscholl an der Orgel, der die kleine aber feine Kirchenorgel in St. Mauritius klangvoll und farbig zu registrieren wusste und im Anschluss auch solistisch glänzte: Bachs Orgelpräludium in e-Moll BWV erklang in brillianter polyphoner Klarheit.
Kathrin Eberitzsch präsentierte die vier Tanzsätze aus J. S. Bachs Partita d-moll für Violine Solo. Den feinen Nachhall des Kirchenraums auslotend, zelebrierte sie Bachs latente Polyphonie mit filigraner Technik und feinster dynamischer Linienführung. Zwischen den Partitasätzen erklangen als Kontrast moderne Kompositionen von Leon Tscholl. Seine zwei „Meditationen“ für Solocello klangen gleichermaßen geheimnisvoll wie vertraut, denn das Publikum fühlte sich vom ersten Takt an mitgenommen und bezaubert.
Jasmin Blomenkamp verstand es, die nachdenklichen Pizzicatostellen, den weiten Atem der Pausen, die gebrochenen Akkorde und wundersamen Dissonanzen inspirierend und betörend zugleich im Kirchenraum zu entfalten.
Virtuoser Höhepunkt waren Johan Halvorsens romantische Variationen für Violine und Cello über ein Thema von Händel. Herrlich frisch und risikofreudig zündete das Duo Kathrin Eberitzsch und Jasmin Blomenkamp ein fulminantes Feuerwerk romantisierter Barockklänge - ein Variationenreigen im Stile eines Niccolo Paganini, gespickt mit geigentechnischen Schwierigkeiten und überbordenden harmonischen Finessen jedweder Couleur. Ein überwältigender Ohrenschmaus.
Zum Schluss erklang in fast orchestraler Klangpracht das letzte Violinkonzert aus Vivaldis Zyklus „Vier Jahreszeiten“ in einer Bearbeitung für Triobesetzung. Vivaldis geniale Komposition malt die Kälte und Unwirtlichkeit des Winters mit harmonisch kühnen Dissonanzschichtungen und illustrierenden Klangeffekten.
Das junge Trio zeigte einmal mehr seine virtuose Leichtigkeit im dialogischen Wechsel - und Zusammenspiel und eine lebendige dynamische Balance. Nach stehenden Ovationen folgte als Zugabe „Rondeau“ und „Badinerie“ aus Johann Sebastian Bachs H-Moll Suite. (Reiner Oberbeck)

„Abschlusskonzert der Kraichtaler Kirchenmusiktage mit „Mannheim Brass and Friends“

Zum Abschluss der 30. Kraichtaler Kirchenmusiktage konnten die knapp 200 Zuhörer noch einmal ein absolutes musikalisches Highlight genießen. Beim Open-Air-Konzert auf dem Münzesheimer Kirchplatz traten bei strahlendem Sonnenschein die „Mannheim Brass“ auf, eines der besten Blechbläserensembles Deutschlands,  die schon mehrfach die vergangenen Kirchmusiktage mit ihren Beiträgen bereichert haben. Und Sie kamen auch diesmal nicht allein, sie hatten ihre „Friends“ mitgebracht und veranstalteten ein echtes Feuerwerk klassischer und populärer Blechbläsermusik.
Elf Musiker standen auf den Treppenstufen vor der evangelischen Kirche, neben den Stammmitgliedern der Mannheim Brass, dem Posaunisten und Bandleader Matthias Gromer, Klaus Bräker und Wolfram Lauel an den Trompeten, Reimer Kühn am Horn und Stefan Heimann an der Tuba gesellten sich weitere wirkliche absolute musikalische Hochkaräter. So hatten sie mit Alexander Kirn an der Trompete, der schon mehrfach solistisch mit dem Ensemble aufgetreten war, Stephan Arendt und Johanna Pschorr an den Tenorposaunen sowie Tobias Rägle an Bassposaune und Michael Auers an Pauken und Schlagzeug und Xylophon absolute Topmusiker an ihrer Seite. Und zusammen präsentierten sie Musizierfreude pur, absolut perfektes rhythmisches Zusammenspiel und eine ungeheuer gute Dynamik. Schon fast überflüssig zu erwähnen dass die Intonation bei allen absolut unschlagbar war. Der einzige Kampf den sie auszufechten hatten, war gegen den starken Wind, der einige Male ihre Noten  in alle Richtungen blies, aber auch das tat der musikalischen Qualität keinen Abbruch. Schon bei der einleitenden Fanfare „Sprit of Brass“ von Enrico Crespo, einem ehemaligen Soloposaunisten des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart war das Ensemble von Beginn an voll da, und die darauffolgende Ouvertüre aus der Orchestersuite Nr. 3 von Johann Sebastian Bach war genau so wie Matthias Gromer den Komponisten zitierte, „.. den richtigen Ton zur rechten Zeit treffen, dann spielt das Instrument von selbst“. Und genauso kam es auch rüber, spielerisch leicht, eine echte Kunst bei der Interpretation von Bach, aber absolut gelungen und für die Zuhörer ein echter Genuss. Und so zog es sich durch das ganze folgende Programm, ob bei der „Suite“ des italienischen Spätbarocken Komponisten Domenico Gallo, den „keiner kennt, da sein Werke fast alle Pergolesi“ zugeschrieben wurden, ein strahlendes Werk voller Freude und auch von den elf dementsprechend vorgetragen, oder beim bekannten „Tico-Tico“ des Brasilianers Zequinha de Abreau, der bekannt wurde als Komponist des „Choro“, eines instrumentalen brasilianischen Musikstiles, einer Melange populärer europäischer Musik und der Musik afrikanischer Sklaven. Hier konnte  Wolfram Lauel seine ganze Klasse an der Solotrompete zeigen. Nach der Pause ging es zeitgenössisch weiter, ein Wechsel zwischen jazzigen und Tango von Astor Piazolla, ein Höhepunkt zum Ende des Programmes sicherlich die fünfteilige Suite für Blechbläser-Ensemble „A Londoner in New York“ des britischen Komponisten Jim Parker. Insgesamt Blechbläsermusik vom Allerfeinsten, wer nicht da war hat echt was verpasst. (Thomas von Haefen)

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