Stadt Kraichtal (Druckversion)

Ausstellungen in der Ursula-Blickle-Stiftung

Die Ursula Blickle Stiftung fördert seit 1991 innovative Positionen nationaler und internationaler zeitgenössischer Kunst. In Kraichtal nahe Karlsruhe realisiert die Stiftung in finanzieller Unabhängigkeit jährlich vier Ausstellungen. Die Leiterin der Stiftung, Ursula Blickle, konzipiert in diesem Jahr gemeinsam mit Cristina Ricupero, Katja Schroeder, Mario Kramer und Fabian Schöneich Ausstellungen zur aktuellen Kunst. Die Stiftung genießt in der internationalen Kunstszene einen außergewöhnlichen Respekt und ist weit über die Grenzen Europas anerkannt. Oftmals werden KünstlerInnen vorgestellt, die hier ihren ersten öffentlichen Auftritt haben.
Durch Vorträge und Diskussionen, die die Ausstellungen begleiten, fungiert die Stiftung gleichzeitig als Schnittstelle zwischen der Kunst und der interessierten Öffentlichkeit, die zu allen Veranstaltungen freien Eintritt hat. 

Ursula Blickle Stiftung
Mühlweg 18
76703 Kraichtal-Unteröwisheim
Tel +49 (0) 7251-60 91 9
Fax +49 (0) 7251-68 68 7
www.ursula-blickle-stiftung.de

Aktuelle Ausstellung

2015/2016: Vier Ausstellungen zu 25 Jahren Ursula Blickle Stiftung
Ausstellung 3: Tanz es! / Dance it!
10. April bis 26. Juni 2016
Eröffnung: 9. April, 19 Uhr

In der dritten Ausstellung zum 25-jährigen Jubiläum der Ursula Blickle Stiftung im Kraichtal geht es um eine weitere Facette der Stiftung: das gleichnamige Videoarchiv. Mittlerweile kann dieses sein fast 10-jähriges Bestehen feiern. Gegründet 2007 in Kooperation mit der Kunsthalle Wien und der Universität für Angewandte Kunst und seit 2012 im Wiener Belvedere beheimatet, widmet es sich der Archivierung und Vermittlung zeitgenössischer Videokunst.
TANZ ES! zeigt Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern aus dem Archiv, die sich Körpern in Bewegung widmen, wobei der Bezugsrahmen dabei bewusst offen gehalten wird: Tanz als soziales Phänomen wie Marker von Virtuosität, als Disziplinierungsform wie Möglichkeit zur Selbstbeobachtung sowie als unmittelbare künstlerische Ausdrucksform, für die sich immer schon die Frage nach ihrer Repräsentation gestellt hat, wird thematisiert. Die Geschichte der Darstellbarkeit von Bewegung ist eng mit jener des bewegten Bildes verbunden. Maya Deren etwa, eine der Wegbereiterinnen des Experimentalfilmes über Tanz, entwickelte ihr Konzept des „cinedance“ in den 1940er-Jahren. Choreografierte Bewegung in Zeit und Raum sollte nicht nur von Tänzerinnen und Tänzern, sondern auch von der Kamera ausgeführt und später im Schnitt weiterentwickelt werden. Die Möglichkeiten eines Mediums sollten sich mit jener des anderen verbinden und etwas Neues hervorbringen. Durch die Erfindung der portablen Videokamera Mitte der 1960er Jahre konnte Bewegung schnell und kostengünstig aufgezeichnet und vor allem in Echtzeit wiedergegeben werden. Oftmals wurde dadurch die Kamera wie ein Spiegel als zusätzliche Kontrollapparatur von Gesten und Bewegungen eingesetzt; ein selbstreflexives Moment, das seitdem immer wieder thematisiert worden ist. Zeitgenössische Videokunst, die sich tanzenden Körpern widmet, referenziert einerseits diese reiche Geschichte. Auf der anderen Seite wird immer wieder aufs Neue versucht, Repräsentationsfragen aufzuwerfen bzw. sich an bestehenden Darstellungsparadigmen zu reiben.
Tanz birgt immer auch die Möglichkeit der Grenzüber-schreitung in sich: auf physische Weise durch Selbst-disziplinierung; auf psychischer Ebene durch Erreichen eines Trancezustandes; auf sozialer Ebene, wo der Körper als Träger von Identität als dynamisch und im Fluss begriffen werden kann und seine Entsprechung dafür im Tanz findet. Dieses Potenzial lässt sich auf medialer Seite weiterverfolgen, indem die Ausstellung TANZ ES! auch die Frage nach dem Status des bewegten Bildes im Ausstellungsraum stellt. Gibt es in Zeiten digitalisierter Kinotechnik und oft fetischisiertem 16-mm-Film im sogenannten White Cube eine Trennlinie zwischen Film- und Videokunst? Wo liegen die medienspezifischen Qualitäten dieser Formate und Dispositive? Und wie haben neue Möglichkeiten der Distribution den Blick auf und mit diesen Kunstformen verändert?
Exemplarisch dafür steht eine Installation der Baden-Württembergischen Künstlerin Nathalie Koger, die gleich-zeitig als 16-mm-Filminstallation und als Video auf einem Monitor zu sehen sein wird. In „Was ausgestellt wird (2011)“ eignet sich eine Hula-Hoop-Artistin den Atelierraum des umstrittenen Wiener Bildhauers Gustinus Ambrosi an. Während die Tänzerin darin wie ein Eindringling aus einer anderen raumzeitlichen Dimension wirkt, schafft es die filmische Inszenierung mit der Dynamik der Performance in Wechselwirkung zu treten. So wird eine zusätzliche Reflexionsebene über Ausstellungsbedingungen und Blickinszenierung geschaffen, die sich letztendlich auf die Körper der Besucherinnen und Besucher überträgt.
Annja Krautgassers Remake „Le Madison (2008/11)“ widmet sich in einer dreiteiligen Installation dem gemeinschafts-stiftenden Potenzial des Tanzes. Sie bezieht sich darin auf eine berühmte Szene aus dem Film Bande à part (dt. Titel: Die Außenseiterbande, 1964) von Jean-Luc Godard, in der die ProtagonistInnen den Madison, einen Modetanz aus den USA, der Anfang der 1960er-Jahre hauptsächlich über Filme in Europa Verbreitung fand, tanzen. Durch Krautgassers Reenactment in einem Kunstraum in den Niederlanden, mit Hilfe von per Zeitungsannonce gesuchten TänzerInnen, wird der Fokus auf eine kollektive Erfahrung verlagert, die die Künstlerin selbst miteinbezieht und ihre Rolle als Autorin infrage stellt. In Ella Raidels „Family Affairs (2010)“ kippt diese gemeinschaftliche Erfahrung ins Unheimliche. Männer umkreisen sich scheinbar wie für einen Kampf, während plötzlich ein kleines Mädchen wie aus dem Nichts auftaucht und in einer ekstatischen Drehbewegung herumgewirbelt wird. Dies sind die fragmentarischen Elemente einer mög-lichen Erzählung, die die BetrachterInnen auf ihre eigenen Imaginationen und Klischees zurückwirft. Der bewegte Körper als Träger einer individuellen wie soziohistorischen Geschichte ist Thema in Ulrike Lienbachers Arbeiten „Will I
und II (2006)“, die Disziplinierung und Kraftanstrengung hinter vermeintlich „leichten“ und grazilen Gesten in den Vordergrund rücken. Darauf zielt auch das Video „Until The End (2011)“ des Künstlerduos MASBEDO ab, in dem die nackten Füße einer Ballerina zu sehen sind, die immer wieder zum Spitzentanz ansetzt. Die Strenge des Bildausschnittes erlaubt einerseits die Konzentration auf dieses Fragment in nüchtern-dokumentarischer Weise, gleichzeitig wird die physische Anstrengung körperlich spürbar. Ihre eigenen Füße, in Stiefeletten steckend, zeigt Renate Kowanz-Kocer in „Heidelbeeren und Preiselbeeren (1983)“, indem sie ebendiese am Boden zertritt. Tanz ist hier nur mehr eine zufällige Referenz, ein synästhetisches Zeichen, das andere Zeichen hervorbringt und sich somit in Kunst- wie Mediengeschichte einschreibt.
Kuratorin: Claudia Slanar, Ursula Blickle Video Archiv, Belvedere/21er Haus, Wien. Weitere Künstlerinnen und Künstler in der Ausstellung: Theo Altenberg, Beatrix Bakondy, Philip Bußmann, Anetta Mona Chisa & Lucia Tkácová, Anja Manfredi, u. a.
Ausstellungsort
Ursula Blickle Stiftung, Mühlweg 18, 76703 Kraichtal-Unteröwisheim
Tel. 07251 60919
Fax 07251 68687
Homepage: www.ursula-blickle-stiftung.de
Öffnungszeiten
Mittwochs von 14 bis 17 Uhr, sonntags von 14 bis 18 Uhr
und nach Vereinbarung
Finissage
26. Juni 2016, 16 Uhr
Vortrag und Gespräch
Dr. Hannelore Paflik-Huber
Kunstwissenschaftlerin, Stuttgart

Ausstellung - Tanz es

Bericht über die Ursula-Blickle-Stifung vom Oktober 2012

In der Zeitschrift AD - Architektural Digest. Die schönsten Häuser der Welt stand folgender Bericht über die Ursula-Blickle-Stiftung in Unteröwisheim:

Ursula-Blickle-Stiftung

http://www.kraichtal.de/index.php?id=269