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Wasserschlossruine, Menzingen

Wasserschlossruine in Menzingen

Die Tiefburg, als Wasserburg angelegt, ist urkundlich erstmals 1359 erwähnt. Die gotische Wasserburg wurde durch die aufständigen Bauern 1525 niedergebrannt. Sie war vermutlich ein zweistöckiger Rechteckbau mit zwei Ecktürmen. Durch die Kriegszerstörungen beim Bombenangriff 1945 ist dieser gotische Urbau sowohl durch freigelegte Fensterwerksteinrahmen als auch durch das umlaufende schwere Dachgesims wieder klar ablesbar.

Außerdem ist an der Westfassade durch versetzte Anschlusshöhen zu erkennen, dass der West- und Nordflügel später an den vorderen Urbau angefügt wurden. Wie die gotische Wasserburg genau aussah, und was durch die Zerstörung und den anschließenden Neubau verloren ging, ist nicht belegt.  Die Schlüsselfigur in dieser hochinteressanten Zeit nach 1500 ist Peter von Mentzingen (1498-1565). Er war nicht nur der Förderer des aus Menzingen stammenden Reformators und Melanchthonschülers David Chytraues; zunächst hatte sich Peter von Mentzingen bei der Verteidigung des Reiches gegen die Türken tapfer gezeigt und wurde vom Kaiser dafür zum Ritter geschlagen, vermutlich verbunden mit einem Geldgeschenk. Damit baute er innerhalb von 10 Jahren (1529-39) das zerstörte Wasserschloss im Renaissancestil wieder auf und erweiterte es auf drei Flügel. Pragmatisch war die Entscheidung, einen begabten jungen Steinmetz, der mit den Bauern zusammen das Schloss zerstört hatte, zu begnadigen. Er musste dafür zehn Jahre lang in Frondienst den Wiederaufbau des Schlosses leiten; sein Steinmetzzeichen ist überall im Schloss verewigt.

Wasserschlossruine
Wasserschlossruine
Wasserschlossruine Menzingen
Wasserschlossruine Menzingen

So wurde durch herabgefallenen Putz in einer verborgenen Fensternische eine eingemeißelte Revolutionsfahne mit seinem Zeichen und der Wiederaufbaujahreszahl 1532 gefunden. Der spektakuläre, dreigeteilte riesige Wappenstein über dem Hauptportal wurde 1707 angebracht. Er zeigt in der Mitte das Wappen derer von Mentzingen mit dem auffliegenden Raben stellvertretend für die Brüder Maximilian und Benjamin und seitlich die Wappen derer Frauen. Links das Wappen Margaretha Elisabeth Schaffelitzki von Muckadell und rechts das der Sophia Charlotte Klenke von Renckhausen. Dieses Wappen ist insofern bedeutsam, als alle heutigen Mentzingen Nachkommen des jüngsten der fünf Brüder, des Bruders Benjamin uns seiner Klenke-Frau sind.

Hauptsitz der Familie seit dem 17. Jahrhundert bis 1790 war Gondelsheim. Daher, blieb das Wasserschloss zwischen 1723 und 1790 unbewohnt. Danach wurde die hölzerne Zugbrücke in eine Steinbrücke umgebaut und das Hauptgebäude aufgestockt. Dieses Wasserschloss war nach dem Urteil des Historikers Hans Rott (1913) hoch gelobt: „Von allen Wasserschlössern des Kraichgaus hat dieses Unterschloss von Menzingen seine charakterische Anlage am besten und reinsten bewahrt und bildet ein höchst malerisches Abbild einer mittelalterlichen Tiefburg. “ Es wurde unmittelbar vor Kriegsende  von Jagdbombern Anfang April 1945 zerstört. Die Ironie des Schicksals wollte es, dass zwei wertvolle Sammlungen aus dem Kurpfälzischen Museum in Heidelberg kriegsbedingt in das vermeintlich sichere Schloss Menzingen ausgelagert wurden: eine Sammlung alter Uhren und eine Münzsammlung. Heidelberg blieb kriegsverschont, Menzingen wurde zerstört. Die Uhrensammlung war verloren, die Münzen wurden 1947 fast vollständig wieder ausgegraben, aber später im Fundus des Museums gestohlen.

Wasserschlossruine Menzingen am Tag des offenen Denkmals 2011

40 Jahre lang blieb die Ruine völlig unangetastet im Dornröschenschlaf. Dornenhecken und mannsdicke Bäume überwucherten die bis zu 4 Meter hohen Schuttberge. Auf Initiative des Heimat- und Museumsvereins Kraichtal in Zusammenarbeit mit dem Eigentümer, Baron Dominicus von Mentzingen, wurde zwischen 1992 und 2002 die Ruine vom Schutt befreit und teilweise im Baubestand gesichert. Die bisherigen Baukosten waren: Das Landesdenkmalamt, die Denkmalstiftung Baden- Württemberg, der Eigentümer, die Stadt Kraichtal, der Landkreis Karlsruhe sowie der Heimat- und Museumsverein Kraichtal. Der Heimat- und Museumsverein hat durch freiwillige Helfer etwa 4500 ehrenamtliche Arbeitsstunden geleistet; darin enthalten sind 1300 Architekten- und Ingenieurstunden. Im Januar 2001 wurde der Verein für seine ehrenamtliche Arbeit an der Wasserschlossruine vom Ministerpräsidenten im Rahmen des Wettbewerbs vorbildlicher kommunaler Bürgeraktionen ausgezeichnet. Info-Hotline: 07250 7744

Wasserschloss aus neuem Blickwinkel

90 Arbeitsstunden und jede Menge Liebe zur Ortsgeschichte
Neue Sitzgruppe und eine Infotafel bereichern das Kraichtaler Kulturdenkmal
In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges 1945 war die Wasserburg bei den Bombenangriffen auf Menzingen vollkommen zerstört worden. Über 40 Jahre lang blieb die Ruine völlig unangetastet im Dornröschenschlaf. Dornenhecken und mannsdicke Bäume überwucherten die bis zu vier Meter hohen Schuttberge. Auf Initiative des Heimat- und Museumsvereins Kraichtal (HuMV) in Zusammenarbeit mit dem Eigentümer, Baron Dominicus von Mentzingen, wurde zwischen 1992 und 2002 die Ruine vom Schutt befreit und teilweise im Baubestand gesichert. Heute öffnen sich die Tore der Ruine lediglich zu ganz besonderen Ereignissen. So beispielsweise am Donnerstag, 11. August, im Rahmen der diesjährigen SWR4 Sommererlebnis-Tour. Bis es allerdings so weit ist, haben auch Spaziergänger, Wanderer, Radfahrer, einheimische wie auswärtige Erholungssuchende die Möglichkeit, am Fuße der Wasserschlossruine bei der vor Kurzem neu angelegten Sitzgruppe - bestehend aus einem Holztisch mit zwei Bänken - eine gemütliche Rast einzulegen.
SKG Scholwe Menzingen, Heimat- und Museumsverein Kraichtal & Stadt Kraichtal arbeiteten „Hand in Hand“
Zu verdanken ist dieses idyllische Plätzchen mit Blick auf die einstige Wasserburg den Menzinger „Scholwe“ - ein Verein, der sich seit seiner Gründung im Jahr 2005 der Pflege der Dorfgemeinschaft verschrieben hat. „Im Mittelpunkt des Vereins steht der Heimatort Menzingen, welcher kulturell sowie geschichtlich in die Aktivitäten des Vereins mit einbezogen wird“, heißt es in der Vereinssatzung. Dass es die Mitglieder „ernst meinen“ mit der Dorfentwicklung, haben sie unlängst mit insgesamt rund 90 Arbeitsstunden - geleistet von zwölf Personen an drei Samstagen - eindrucksvoll unter Beweis bestellt. Die fleißigen Ehrenamtlichen haben nicht nur das Gestrüpp etwas ausgelichtet, sodass der Blick auf die Ruine wieder möglich ist, sondern auch mittels Hackschnitzel und Palisaden ein wahres „Ruhe-Plätzchen“ geschaffen. „Die Idee ist bereits vor eineinhalb Jahren geboren worden. In den vergangenen drei Monaten wurde das Projekt schließlich erfolgreich umgesetzt“, erläuterte Jens Bahm, 1. Vorsitzender der „Scholwe“, beim offiziellen Freigabetermin am Donnerstag, 28. Juli, im Beisein von Baron Dominicus von Mentzingen, Karl-Heinz Glaser, Vorsitzender des Heimat- und Museumsvereins Kraichtal, Bürgermeister Ulrich Hintermayer sowie zahlreichen „Scholwe“-Mitgliedern und Bewohnerinnen und Bewohnern Menzingens. Neben der einladenden Sitzgruppe stellten die „Scholwe“ eine Informationstafel mit allen wissenswerten Daten und Fakten rund um das bedeutende Kraichgauer Kulturdenkmal auf. Bilder und Text hierfür waren im Vorfeld vom Heimat- und Museumsverein Kraichtal als weiterer Projektpartner zusammengetragen worden. So ist der Tafel unter anderem zu entnehmen, dass die arbeitsintensive Sicherung der Ruine seinerzeit federführend von Kurt Becker und Hajo Rheinstädter, beide Mitglieder des Heimat- und Museumsvereins Kraichtal, durchgeführt wurde. Bürgermeister Ulrich Hintermayer bedankte sich an Ort und Stelle bei allen am Projekt Beteiligten. „Der Platz ist sehr schön geworden und stellt eine Bereicherung für ganz Menzingen dar“, so das Fazit aller Anwesenden, die allseits die hervorragende und unbürokratische Zusammenarbeit während der Projektumsetzung lobten.
Geheimtipp für Erholungssuchende
Kommen Sie vorbei und überzeugen sich selbst: Tauchen Sie ein in die dramatische Geschichte der Wasserburg von Menzingen. Da Teile der Ruine weiterhin einsturzgefährdet sind, ist der Zugang zum Kulturdenkmal selbst - wie bereits erwähnt - nur kontrolliert und bei bestimmten Veranstaltungen wie beispielsweise beim „SWR4-Sommererlebnistag“ in Menzingen am 11. August und einen Monat später am „Tag des offenen Denkmals (11. September 2016)“ möglich. Die Rastmöglichkeit befindet sich außerhalb des geschlossenen Bereichs und ist jederzeit zugänglich.
Weitere Informationen erhalten Sie bei der Stadt Kraichtal, Telefon 07250 77-44.
Informationen zu den Vereinen finden Sie auf www.scholwe.de sowie www.hmv-kraichtal.de

Dank der neuen Infotafel erfahren Spaziergänger jede Menge über die Geschichte der einstigen Wasserburg zu Menzingen.
Infotafel
Das neue „Ruhe-Plätzchen“ bei der öffiziellen Übergabe (v. l. n. r.: Baron Dominicus von Mentzingen, Karl Heinz Glaser (HuMV), Jens Bahm (SGK Scholwe, 1. Vors.), Bürgermeister Ulrich Hintermayer und Thomas Lehmann (SGK Scholwe, 2. Vors.).
Übergabe

Filmbericht auf KraichgauTV von der Wasserschlossruine

Über diesen  Link  können Sie einen Film über den "Tag des offenen Denkmals 2011" in der Wasserschlossruine Menzingen ansehen.